Buffalo ist längst kein Chicken Wing mehr (Deine Rezeptkarte)
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Einfach Grillen
BUFFALO RIBS
Gude Reader,
Wir haben heute Buffalo Ribs gemacht. Was streng genommen erst einmal verdächtig klingt.
Denn Buffalo Wings sind schließlich Hähnchenflügel. Unsere Ribs sind Schwein. Haben wir also einfach irgendeine scharfe Sauce draufgekippt und „Buffalo“ davor geschrieben?
Buffalo ist inzwischen selbst zu einem Geschmack geworden. Die Grundidee ist ziemlich eindeutig: scharf-säuerliche Hot Sauce, Butter, dazu Blue Cheese und meist Sellerie. Dieses Prinzip findet man heute nicht mehr nur auf Wings, sondern auch auf Blumenkohl, Garnelen, Burgern, Pizza, Mac & Cheese und allerlei Dingen, die noch nie einen Hühnerstall von innen gesehen haben. Das Buffalo History Museum beschreibt diese Entwicklung selbst ziemlich treffend: Buffalo ist heute nicht nur eine Stadt, sondern ein Geschmack.
Genau deshalb funktionieren auch unsere Buffalo Ribs: scharf-buttrige Sauce, Blue-Cheese-Creme, Sellerie – und oben drauf ein würziger Panko-Crunch.
Aber wie wurde ausgerechnet Buffalo zum Synonym für diese Kombination?
Angeblich fing alles 1964 an …
Die berühmteste Geschichte spielt in der Anchor Bar in Buffalo, New York.
Hier habe ich übrigens meine ersten Buffalo Wings gegessen ❤️
Teressa Bellissimo soll dort 1964 Chicken Wings frittiert, mit scharfer Sauce überzogen und zusammen mit Sellerie und Blue Cheese serviert haben.
Das Problem an guten Erfindungsgeschichten: Sie werden mit den Jahren meistens immer besser.
Schon als der Journalist Calvin Trillin 1980 versuchte, die Sache für den New Yorker zu rekonstruieren, erzählte die Familie Bellissimo unterschiedliche Versionen.
Frank Bellissimo sagte, eine irrtümliche Lieferung von Chicken Wings sei der Auslöser gewesen. Sein Sohn Dominic erzählte dagegen von Freunden, die spätabends Hunger bekamen und von seiner Mutter spontan versorgt wurden.
Immerhin waren sich beide in einem Punkt einig:
Teressa hat gekocht.
… nur gab es die Wings offenbar schon 1963
Und dann kommt die Sorte Fund, die Historikern Freude und Marketingabteilungen eher Kopfschmerzen bereitet.
2025 wurden alte Anzeigen der Anchor Bar aus September bis November 1963 entdeckt. Darin wurden bereits frittierte Chicken Wings mit Barbecue-Sauce beworben. Einige Anzeigen erwähnten sogar eine Roquefort-Garnitur, also Blauschimmelkäse.
Damit wird die schöne Geschichte von der plötzlichen Erfindung im Jahr 1964 zumindest ziemlich wackelig. Was genau 1963 auf dem Teller lag, entsprach vermutlich noch nicht vollständig dem Buffalo Wing, wie wir ihn heute kennen – aber Wings gab es in der Anchor Bar offensichtlich schon vorher.
Und wir können noch sehr viel weiter zurückgehen.
Buffalo servierte Wings schon 1857
Das Buffalo History Museum besitzt eine Speisekarte des Clarendon Hotels vom 1. Juli 1857.
Darauf steht tatsächlich:
„Chicken Wings, fried.“
Mehr als 100 Jahre vor der angeblichen Erfindung des Buffalo Wings wurden in Buffalo also schon frittierte Hühnerflügel gegessen.
Bevor jetzt jemand Teressa Bellissimo posthum den Erfinderpreis wieder wegnimmt: Das waren keine Buffalo Wings im heutigen Sinn. Von Hot Sauce, Butter, Sellerie und Blue Cheese steht dort nichts.
Es beweist nur, dass der Hühnerflügel in Buffalo eine deutlich längere Karriere hatte, als die übliche 1964-Geschichte vermuten lässt.
Und dann war da noch John Young
Die Geschichte hat nämlich noch einen zweiten wichtigen Namen: John Young.
Young betrieb in Buffalo Wings ’n Things und machte Chicken Wings ebenfalls Mitte der 1960er zu seiner Spezialität. Im Buffaloer Telefonbuch warb sein Restaurant spätestens 1966 ausdrücklich damit. Young selbst sagte später, er habe schon früher Wings verkauft.
Seine Version sah allerdings ganz anders aus.
Young ließ die Flügel ganz, panierte und frittierte sie und servierte sie mit seiner kräftigen, tomatenbasierten Mambo Sauce.
John-Young-Stil: ganzer, panierter Wing + Mambo Sauce.
Der heute weltweit bekannte „Buffalo Wing“ folgt eher der Anchor-Bar-Linie. Zur Entstehung der Buffaloer Wing-Kultur gehört John Young aber definitiv dazu. Schon Calvin Trillin kam 1980 zu dem ernüchternden Ergebnis, dass sich kaum noch sauber feststellen ließ, wer nun wirklich zuerst was gemacht hatte.
Und warum ausgerechnet Blue Cheese und Sellerie?
Auch dafür gibt es eine schöne Spur.
Auf einer Anchor-Bar-Speisekarte aus den 1960ern findet sich eine Vorspeise aus mit Blue Cheese gefülltem Sellerie.
Beides war also ohnehin im Restaurant vorhanden. Das Buffalo History Museum hält es deshalb für plausibel, dass daraus die Kombination entstand, die heute praktisch untrennbar zu Buffalo Wings gehört.
Bewiesen ist das nicht. Aber kulinarisch ergibt es Sinn: scharf und fett trifft kühl, cremig und frisch.
Und damit sind wir wieder bei unseren Ribs
Denn irgendwann hat sich Buffalo vom Hühnerflügel emanzipiert.
Wir machen im Grunde genau das Gleiche wie unzählige Buffalo-Gerichte vor uns: Wir nehmen dieses Geschmacksprinzip und setzen es auf etwas Neues.
Unsere Ribs werden scharf angegrillt, anschließend in der Hot-Sauce-Butter-Mischung gedämpft und danach offen glasiert. Dazu kommen die cremige Blue-Cheese-Sauce und ein butteriger Panko-Crunch mit Cayenne, Knoblauch, Selleriesalz und Selleriegrün.
Vielleicht sind Buffalo Ribs also gar nicht so weit vom Original entfernt.
Das Fleisch ist ein anderes. Die Idee dahinter ist ziemlich genau dieselbe. Aber Ribs, hast du bestimmt noch nicht so gegessen!
Wenn du die Buffalo Ribs genauso nachbauen willst, sind vor allem zwei Dinge praktisch: ein Dutch Oven für die kurze Dämpfphase und eine Squeeze-Flasche für die Blue-Cheese-Sauce. Der Rest fällt eher unter „braucht man nicht zwingend, macht das Leben am Grill aber angenehmer“.
Petromax Dutch Oven ft6-t * Für uns die unkomplizierteste Variante, um die Ribs direkt in der Buffalo-Sauce weich zu garen.
Traeger Squeeze Bottle * Damit landet die Blue-Cheese-Sauce auf den Ribs und nicht in abstrakten Klecksen daneben.
Petromax Feuerpfanne fp30 * Für den Panko-Crunch: Butter rein, Panko rösten, würzen – und rechtzeitig aufhören, bevor aus „Crunch“ plötzlich „Kohle“ wird.
Aramid Grillhandschuhe * Gerade beim heißen Dutch Oven eine ziemlich vernünftige Idee. Fingerkuppen sind schließlich nur begrenzt nachbestellbar.
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